Gestern Abend hat das umstrittene Männercasting in Zürich nicht wie geplant im Cabaret Voltaire, sondern im Theater Neumarkt doch stattgefunden. Unter Polizeipräsenz haben sich ca. 100 Zuschauerinnen und Zuschauer zu diesem Spektakel eingefunden. 26 Männer hatten schlussendlich den Mut sich der Jury, aber auch den zahlreichen Journalisten, Kameraleuten und Fotografen zu stellen. Durch die Standhaftigkeit von Theaterdirektor Wolfgang Reiter gegenüber seinem Verwaltungsrat hat das Theater Neumarkt ein Presseinteresse erhalten, wie wohl nur zu Müller/Hesse-Zeiten. Und auch Maggie Taperts „Männercasting“ profitierte vom medienwirksamen Verbot für das Cabaret Voltaire vom Kulturbeauftragten der Stadt Zürich, Jean-Pierre Hoby.

Das improvisiert wirkende Spektakel erinnert an die Animateurparties im Club Med. Jeder der Kandidaten musste auf eine intime Frage möglichst schlagfertig antworten, einen Riechtest von ausgewählten Publikumsfrauen über sich ergehen lassen und wurde zu guter Letzt noch an der Hundeleine dem weiblichen Publikum für Streicheleinheiten vorgeführt. Die Jury, bestehend aus drei Priesterinnen und einem Priester aus Maggie Taperts Tempel „Wings of Joy“ und die haben dann nach nicht ganz zwei Stunden drei Männer ausgewählt, die als Preis nun ein Seminar über den G-Punkt bei Maggie Tapert besuchen dürfen, um dann bei Eignung ins Männerteam von “Wings of Joy” aufgenommen zu werden.
Dass dieser harmlose Anlass die Gemüter vorab so erhitzen konnte ist wohl nur einem findigen Journalisten zu verdanken, der die Kulturverantwortlichen der Stadt und den Politikern von EVP und SVP den richtigen Anstoss gab und so ein kleines Geplätscher von Empörung auslöste. Wer da wenn für die eigenen Interessen einspannte wird wohl keiner der Akteure wirklich wissen. Die Boulevardpresse hat eine Schlagzeile und die anderen konnten wieder einmal ihre Namen in eigener Sache in die Medien bringen.
Dass ich vor rund 15 Jahren als Mitwirkende bei einer grossen Gruppenausstellung über pornografische Kunst von Sascha Serfozoe auch in einer städtischen Liegenschaft, dem ersten Palais X-Tra (Zürich) Standort, eine um einiges heftigere BDSM-Performance auf der Bühne, ohne Zensur und Einsprachen durchführen konnte, löst Fragen über den aktuellen Stand der moralischen Entwicklung einer Stadt wie Zürich aus.
Grüsse
Domenique