Frage eines Sklaven 9.0

Im Zusammenhang mit einem Projekt in Deutschland, das nun schon zum zweiten Mal Ende dieses Monats stattfindet, bin ich von einem Sklaven gefragt worden was ich von Gefangenschaft in Zellen und der wirklichkeitsnahen Umsetzung eines Strafanstaltsalltags halte. Der Fragesteller meinte natürlich nur unter weiblichem Aufsichtspersonal und entsprechender Schikanierung.

Zu Beginn meiner SM-Interessen hat es mich immer negativ berührt, wenn von BDSM-Sessions in original Folter-Locations, wo echte Gefangenschaft und Marter statt gefunden hat, berichtet oder gar geschwärmt wurde. Auf meinen Reisen durch Tschechien habe ich einige echte, sehr schöne alte Verliese in den Burgen und Schlössern gesehen. In einem wunderschönen, grossen Schloss in der Slowakei wurde damals gerade eine neue Version von Frankenstein gedreht und die zusätzlich ausstaffierte Kulisse wirkte dadurch noch um ein vielfaches erschreckender, aber auch sehr faszinierend.

Nun nach einigen Jahren voll Erlebnissen und Entwicklung in Sachen BDSM, begegnete mir diese Thematik wieder einmal, als ich die Website von „Das Experiment“ zu sehen bekam. Hier wurde ein fiktives Straflager mit viel Aufwand temporär aufgebaut. Für 24 Stunden werden da die männlichen Gefangenen (freiwillig im BDSM-Kontext) inhaftiert und durch Aufseherinnen -und Strafvollzugsbeamte nach Dienstplan überwacht und drangsaliert. Dieses Erlebnis kann von Einzelpersonen und auch Paaren in Femdom-Ausrichtung gebucht werden. Schon letztes Jahr hat mich ein Sklave angefragt ihn als Aufseherin dahin zu begleiten. Aus mangelndem Interesse habe ich abgesagt.

Mein vorschnelles Urteil, dies sei ja nur eine dekorierte Lagerhalle mit Pfadfinder-Charakter muss ich doch etwas relativieren, denn in dieser Form ist es „nur“ ein BDSM-Rollenspiel in wertfreiem Umfeld. Das gleiche „Spiel“ in einer realen Location, einer ehemaligen Strafanstalt oder einem alten Burgverlies bekommt eine ganz andere Tiefe und Wirkung. Da stellt sich für mich jedesmal die Frage nach dem Respekt gegenüber der Geschichte eines solchen Ortes. Darf/ kann man die Geschehnisse die dort stattgefunden haben unbeachtet lassen und ein rein sexuell motiviertes Vergnügen auf die Realitäts-Spitze treiben?

Ich bin mir noch nicht wirklich schlüssig mit der Antwort zu diesem Thema. Gibt es doch sehr spannende Orte, die einem geradezu die Ideen aufdrängen für ein entsprechendes Szenario oder gar eine heisse Veranstaltung. Anderseits habe ich auch immer ein bisschen ein mulmiges Gefühl im Bauch beim Betreten solcher Orte.

Gefallen Dir solche Gefängnis-Rollenspiele? Was denkst Du über die Benutzung echter, stillgelegter Anstalten, Gefängnisse oder Burgverliese?

Wo kannst Du Informationen zum Event „Das Experiment“ nachlesen?

Die Fotos zu diesem Artikel stammen aus dem Eastern State Penitentiary in Philadelphia. Es diente nach der Schliessung auch als Filmlocation für den Kinofilm 12 Monkeys (1995) von Terry Gilliam mit Bruce Willis.

Gruss
Domenique

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7 Antworten zu “Frage eines Sklaven 9.0”

  1. sklave schreibt:

    Bitte vielleicht kann mir jemand ein derartiges sklavencamp unter strenger weiblicher führung nennen,ich würde mich gerne derart ausliefern,ohne finanzielle absichten,24/7/365!!

    Gruss

  2. ce schreibt:

    Warum sollte Dich eine Dame ohne finanzielle Absichten Dein Kopfkino erfüllen?

  3. Domenique von Sternenberg schreibt:

    Was gäbe es alles für Gründe, dass Frauen ein solches Camp führen möchten? Und wie lange würde ein Sklave durchhalten, auch dann wenn seine Wünsche keine Priorität mehr haben? Wenn er für den Erhalt eines solchen Lagers (unter weiblicher Herrschaft) arbeiten müsste. Denn wie sonst soll ein solches Camp, Herrschaftsgut oder sonstige Einrichtung finanziert werden. Oder wird da wieder einmal von der reichen Lady geträumt, die aus eigenen Mitteln einen Wunschpark für Sklaven bereitstellt. Die Diskussionen über finanzielle Absichten im Zusammenhang mit BDSM sind einfach müssig. Es verhält sich wie mit jeder Beschäftigung, man soll es soweit ausleben, wie es die eigenen Mittel zulassen. Ansonsten “njet”, träum weiter.

    Gruss

    Domenique

  4. Ernst schreibt:

    Sehr verehrte Dame,

    grundsätzlich stehe ich sehr auf Gefängnisspiele. Was ich stets vermisse ist eine von einer Frau geführte Haft- und Erziehungsanstalt, die sich nicht nach mittelalterlichen Vorbildern (kalte und feuchte Zellen) sondern nach hochmodernen Hochsicherheitsgefängnissen orientiert. Ich denke damit an saubere (pflegeleichte, hygienische), kleine, dunkle (ohne Fenster und mit hermetisch verschliessender Tür) und ausbruchsicheren Zellen (im Keller eines Hauses) in denen moderne Materialien wie Metall, Kunststoff, Beton, Klinker und Gummi vorherrschen. Raffiniert wäre es, wenn der Gefangene nicht direkt auf dem Boden sondern auf einem Metallgitterrost (wie in der Hühner- oder Schweinehaltung) zu stehen hätte…… oder wie ein Papagei auf einem Holzbalken mit einem Kopfharnisch, das an der Decke befestigt ist, damit der “Vogel” nicht von der Stange fällt……

    Modern sollte auch das Ueberwachungsystem sein: Allarmanlage, Gegensprechanlage (obwohl der Gefangene sich grundsätzlich nicht zu Wort melden darf) und Infrarotkamera…..

    Auch das Fesslungsmaterial (für die Dauerfesslung und Ankettung) stelle ich mir eher modern vor.

    Gruss und Dank

    Ernst

  5. Ivy schreibt:

    Es irritiert mich tatsächlich gelegentlich in einem bereits gelebten Ambiente zu spielen.. und gleichzeitig hat es einen sehr sinnlichen Reiz. Trotzdem ziehe ich an Locations eine Grenze, in denen Leid, Trauer und Entsetzen geherrscht haben. Mein Spaß und meine Spielfreude gehört nicht an einen solchen Ort… sei es Gefängnis, Arbeitslager oder “nur” ein Bunker. Dafür gibt es genügend andere historische Orte, Herrenhäuser, Schlösser und Burgen, die ich als historisch wertvoll schonend behandle und respektiere, aber in denen meine Fantasie nicht durch eine tragische Vergangenheit eingeschränkt wird.

    Aber realistisch betrachtet, geht es so manchem meist doch nur um den Wunschzettel und selten um den Respekt vor der Historie, der dahinterstehenden entmenschlichenden Realität oder auch nur dem was eine fragt ;-)

  6. Lichtlein schreibt:

    Ich bin durch Google wieder einmal auf Deinen Worldpress Blog gestossen. Den Beitrag „Frage eines Sklaven 9.0“ fand ich sehr interessant, doch als Greenhorn in Sachen BDSM schreibe ich lieber privat.

    Zum Thema „mulmiges Gefühl“: Nichts kann doch einfacher sein, als an einem Ort Q eine Session Q und einem Ort X eine Session X durchzuführen. Alles an diesen Orten ist bereits darauf eingestimmt, man muss nur noch einsteigen und es fährt von selber los…Negativ? Ja natürlich war es das einmal – aber warum nicht gerade diese Energie (positiv) nutzen/umwandeln für das, was heute einvernehmlich gewünscht ist? Für Romantik passt Strand und Sonnenuntergang – für Gefangenschafts-Rollenspiel ein ehemaliges Lager.

    An dieser Stelle mal ein liebes Danke an Deine vielen interessanten Posts, von denen gerade eine Anfängerin wie ich vieles Neues erfahren kann.

    Liebe Grüsse
    Lichtlein

    PS(von Domenique): Dieser Kommentar kam über einen anderen Kanal herein und wurde von mir hierher übertragen.

  7. bdsm schreibt:

    nicht schlecht Leute sehr gut geschrieben!!

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