“SadoMaso”-Pferd vor Bundesgericht

Im Sommer 2003 hat zum 100.Geburtstag des „Le Marché-Concours national de chevaux” ein Schüler der „Ecole cantonale d’art de Lausanne” das abgebildete Polyesterpferd gestaltet. Das Pferd mit Ledermaske, Riemen und Ketten zwischen den Beinen hat dem charismatischen Direktor der L’ECAL Pierre Keller damals sehr gefallen, im Gegensatz zu einigen anderen Besuchern des Marché Concours. So wurde dann in der Presse die L’ECAL als „Schule für Perverse” bezeichnet und gegen diese “Ehrverletzung” der Kunstschule hat der Direktor den Autor nun durch alle Instanzen bis vor das Bundesgericht gezogen.

Wer bei dieser Geschichte am Schluss Sadist oder Masochist sein wird (Erstinstanzliche Busse 1000 SFr.) und ob der Polyester-Hengst devoter Lederfetischist ist, wird unser ehrenwertes, oberstes Bundesgericht entscheiden müssen. Als hätten die nicht über wichtigeres auf ihren überfüllten Tischen im Namen des Gesetzes zu urteilen.

Manchmal finde ich es einfach wieder schön, dass etwas Leder und Nieten an ungewohntem Ort noch immer eine solche Aufregung produzieren können.

Dass der eine oder andere Richter bei solcher Inspiration und quälender Nichtigkeit zum Masochisten werden könnte bleibt dabei aber wahrscheinlich nur ein Klischee. (via 24heures)

Gruss
Domenique

» Überblick im Blog-Lager

7 Antworten zu ““SadoMaso”-Pferd vor Bundesgericht”

  1. severinus_LS schreibt:

    Liebe Lady Domenique – das ist eine wirklich spaßige Geschichte – dass sie aber kaum in der deutschen Presse zu finden ist, zeigt mal wieder, wie weit die Vorurteile noch gehen.
    Erst kürzlich öffnete das Ledermuseum in Offenbach. Da hatte die Agentur auch einige Leder- und NIetenfotos angeboten. Das fand aber keine Gnade vor der Chefredaktion – leider.
    beste grüße
    severinus_LS

  2. Domenique von Sternenberg schreibt:

    Hallo severinus_LS,
    im Ledermuseum von Offenbach war ich vor kurzem. Es ist sehr reichhaltig mit Ausstellungsobjekten ausgestattet. Es vereinigt drei Museen unter einem Dach: das Schuhmuseum, Ethnologische Museum und Museum für angewandte Kunst. Alle mit Schwerpunkt auf Leder. In allen Dreien sind auch einzelne Objekte aus der BDSM-oder Fetischszene zu entdecken. Ich fand es interessant und im Shop hab ich dann auch vom einzigartigen Fischleder ein paar Stücke gekauft. Das übrigens nicht mehr nach Fisch riecht, aber eine fantastische Struktur besitzt.

    Grüsse
    Domenique

  3. achatz schreibt:

    …besser kann man die Aufmerksamkeit nicht auf dieses Pferd lenken, oder? Da laufen doch unbewusste Werbestrukturen bei den Gegnern und Richtern ab: schaut her! Ich bin eigentlich kein ausgeprägter Lederfan und finde das Pferd auch nicht besonders erotisch. Aber um alles in der Welt muss ein Künstler so etwas machen dürfen – es ist eine Schande für eine Schule, sich dagegen zu stellen.

  4. Toleranz und SM beim Nachbarn | The Art of Pain schreibt:

    [...] ein weiterer Gedanke tatenlos in den hinteren Regionen des Großhirns. Bis, ja bis man auf Domeniques Blog den Bericht über ein Kunstwerk findet, das seinen Weg bis zum Bundesgericht  der Schweiz [...]

  5. Stark schreibt:

    Für mich ist das Bild nicht normal. Das ist ein Kunstwerk der grossen Spinner

  6. Domenique von Sternenberg » Blog Archive schreibt:

    [...] 11. September 2008 um 21:43  schrieb Stark zu: “SadoMaso”-Pferd vor Bundesgericht … “Für mich ist das Bild nicht normal. Das ist ein Kunstwerk eines grossen [...]

  7. Lisbeth Traffelet schreibt:

    Leider stosse ich erst heute auf das Sado-Maso-Pferd. Es hat wohl deshalb so viel Aufmerksaamkeit bekommen, weil die Reiter innerlich wissen, dass Ihr Umgang mit Pferden eigentlich stark an die Sado-Maso-Scene erinnert, gut wenn das jemand thematisiert und aufdeckt !!! Es ist ein Gewinn für Alle, wenn dies genauer angeschaut wird !! Im Gegensatz zu der menschlichen Sado-Maso-Scene kann das Pferd nichht selber entscheiden, ob es mitmachen möchte !
    Lisbeth Traffelet

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