Freitag 30.10.09 21.00 Uhr
Coming Out Spanko
Kurzfilm (USA/2007) von Tanya Bezreh
Der Film wurde von Andy als «der schwierigste Teil des Abends» angekündigt und er hat damit nicht übertrieben. Der 15 minütige Film hat, das sei hier nicht verschwiegen, den Preis für den besten Kurzfilm am CineKink Festival 2008 in NewYork gewonnen. Es handelt sich um das Videotagebuch eines Mädchens das gerade seine Sexualität und vor allem seine BDSM Fantasien entdeckt und dies mit einer Kleinkamera in (scheinbar?) selbst gefilmten kurzen Statements festhält. Während dies als persönliches Dokument und modernes Tagebuch durchaus legitim wäre und sowohl aufgrund seiner technischer Unzulänglichkeiten wie auch des meistens kaum verständlichen englischen Gebrabbels und Gemurmels in unzusammenhängenden Worten und Sätzen gut auf Youtube passen würde, ist der Streifen auf einer Kinoleinwand schlicht eine Zumutung für die Zuschauer. So war ich vermutlich nicht der Einzige im Saal der froh war als die 15 Minuten schliesslich um waren. Die geneigte Leserin / der geneigte Leser möge sich das Machwerk selbst ansehen und sich ein eigenes Bild machen.
Grüsse
sm@
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Modern Love is Automatic
Spielfilm (USA/ 2009) von Zach Clark, US-Originalversion , deutsche Erstaufführung
Modern Love Is Automatic – Der Film … «I don’t know». Ich weiss nicht. Nein, ich weiss wirklich nicht was mir der Film sagen will. Und, um es vorweg zu nehmen, hat mich der Film dennoch seltsam berührt und ich habe mich mit dieser «new american comedy» während 93 Minuten bestens unterhalten.
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«I don’t know» – diesen Satz gibt die Hauptfigur Lorraine (ausgezeichnet gespielt von Melodie Sisk) während des Films regelmässig von sich wenn sie ihre Einsilbigkeit nicht mit “ok”, “yeah” oder “sure” noch weiter auf die Spitze treibt. Genau so distanziert und nüchtern wie die die Hauptfigur ist der Film in einer grafisch kühlen Optik gehalten, ergänzt von einem ebenso abstrakten Soundtrack der zwischen Hintergrund-Muzac in der Arztpraxis und den death metal Riffs von Blasphemer gekonnt oszilliert.
Nachdem ihr Freund sie betrogen hat und die Wohnung verlassen hat, ist die Arzthelferin Lorraine alles andere als am Boden zerstört. Hauptsache die Frisur sitzt und die Bettwäsche ist frisch und faltenfrei. Ganz anders Adrian die kurz darauf als neue Wohnpartnerin bei Lorraine einzieht. Adrian träumt davon ein glamouröses Fashionmodel zu werden, landet dann allerdings hart in der Realität einer heruntergekommenen Shoppingmall wo sie Matratzen “an den Mann bringen” soll. Da hilft es wenig, dass ihr Freund Mitch sich mehr für die zunehmend abwesend-abweisende Lorraine interessiert als für sie. Sie strampelt, kämpft, heult, rappelt sich auf und kämpft weiter. Die Tage kommen und gehen, die Motoren der Matratzen und des Behandlungsstuhls in der Praxis surren leise, alles dreht wunderbar automatisch – Modern Love Is Automatic
Lorraine beschliesst diese Muster zu durchbrechen. Ein zufällig zurückgelassenes SM-Magazin gibt ihr einen Fingerzeig. Sie wird hineingezogen in eine geheime und zwielichtige Welt einsamer Männer, billiger Motels, von Ketten und Peitschen. Nur um schon bald darauf festzustellen, dass sie sich in einer neuen Serie von sich selbst wiederholenden Handlungen wieder findet. Sie fesselt einen Mann an einen Stuhl. Sie presst ihren Absatz in seine Brust. Sie würgt ihn mit einem Stück einer Kette. Sie faltet ihre Handschuhe und sieht sich im Spiegel an. Sie geht nach Hause. Sie nimmt eine Sprudelbüchse aus dem Kühlschrank. Sie kauft sich ein Auto. Sie geht mit dem neuen jungen Arzt aus. Sie mixt sich einen Fruchtshake. Yeah. Sie fährt mit dem Bus zur Arbeit. Die Handlungen wiederholen sich – unendlich.
Trotz dieser scheinbaren Ruhe oder gerade deswegen hat man als Zuschauer ständig den Eindruck, dass es unter Lorraine’s, in jeder Situation, makellos gepflegten und attraktiven Oberfläche heftig brodeln muss. Manchmal erahnt man etwas davon, etwa dann wenn sie einen Revolver kauft oder beschliesst als Domina Männer zu quälen und zu erniedrigen. I ton’ know.
Zach Clark zu seinem Film: “Ich wollte dass «Modern Love is Automatic» gegenüber der Tatsache, dass jemand eine Domina ist, exakt dieselbe moralische Haltung einnimmt wie gegenüber der Tatsache, dass jemand ein Sandwich zubereitet. Beides sind Dinge die jemand im Laufe seines Tages tut. Sie sind weder gut noch schlecht. Sie sind einfach. «Modern Love» ist ebenso ein Film über eine Domina wie einer über eine Arzthelferin, einen Matratzenladen, rosa und türkise Pastellfarben oder das Auspacken von Geschenken.
Vielleicht wiederholen sich alle Handlungen endlos. Vielleicht das Gegenteil. Um die Beach Boys zu zitieren: «Ich weiss es gibt eine Antwort. Ich weiss es, aber ich muss sie selbst finden».”
Regie: Zach Clark
Drehbuch: Zach Clark
Hauptdarstellerin: Melodie Sisk
Kamera: Denise Farthing
Dauer: 93min./ englisch
Grüsse aus dem Dunkeln
Tippse sm@
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Butler
Zeichentrickfilm (S/ 2005) von Erik Rosenlund
Es hat mich sehr gefreut, dass es auch ein Zeichentrickfilm ins Programm geschafft hat. Der Film des Schweden Erik Rosenlund ist eine kleine Hommage an die immer bereiten Butler. Rosenlund hat 18 Monate an diesem neun minütigen Trickfilm gearbeitet. Wie beim einsatzwilligen Butler, der den erotisch-bizarren Wünschen des Ehepaars nachkommt, stellt sich auch bei Erik Rosenlund die Frage: But will all his efforts be appreciated? Werden seine Anstrengungen auch gewürdigt? Mir hat der kleine Film, der mich an den englisch-schwarzen Humor erinnert, sehr gefallen. Meine Würdigung hat er in jeden Fall.
Regie/Zeichner: Erik Rosenlund
Dauer: 9.20min./
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Mittagspause – Pausa Pranzo
Kurzfilm (I/ 2009) von Fudesan
Nun über diesen Film möchte ich mich wirklich nicht äussern. Mit dem kleine Trailer kann jeder selbst ein ungefähres Bild der Qualität machen. Nur schon diesen Clip hier in meinen Blog zu stellen, braucht Überwindung. Da stellt sich allerdings auch die Frage nach den Auswahlkriterien und der Vorgehensweise bei der Programmgestaltung.
Regie: Fudesan
Soundtrack: Beim ganzen Film wurde ein Stück von Miles Davis aus dem wunderschönen Album “Siesta” unterlegt. Dieser käme wohl kurz mal aus dem Grab, würde er dies erfahren.
Dauer: 21.26min./
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Walking Dogs
Kurzfilm (USA/ 2009) von Kyle Porter
Der Mann geht am Morgen zu Arbeit und die Frau zieht sich ein sehr hübsches French Maid-Kleidchen an und macht so den Haushalt. Am Abend zieht sie dann ein Latex-Outfit an und begrüsst ihren Mann an der Haustüre mit einer Ohrfeige. Er geht umgehend auf die Knie und sie führt in an der Kette die Treppe hoch in die Wohnung. Nun was soll man dazu weiter schreiben. Männer-Fantasie! Es unterstreicht meine Sprachlosigkeit noch, dass im Internet wirklich gar nichts über dieses Werk und den Produzenten zu finden ist.
Regie: Kyle Porter
Dauer: 5min./ englisch
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Le Sapin de Noel – Weihnachtsbaum
Kurzfilm (F/ 2008) von Gala Fur
Schon letztes Jahr waren Filme aus dem Haus Gala Fur am Festival vertreten. In dieser kurzen Geschichte aus Frankreich mit Femdom-Anklängen, wird eine junge Frau zu Weihnachten von ihren Freundinnen mit einem hübschen Mann beschenkt. Mit Daumenschellen wird er ihr überreicht und wird umgehend als leicht bekleideter Serviceboy zu grossen Belustigung der Frauen eingesetzt. Anschliessend wird er als Weihnachtsbau geschmückt und zwei neu eingetroffene Freundinnen wünschen sich Dinge vom Weihnachtsbaum. Sie entfernen diese dann genüsslich wieder von dem Jüngling.
Eine ungezwungene Kurzgeschichte, die lustig und locker zeigt wie diese Frauen mit der Unterwerfung des jungen, willigen Mannes umgehen.
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Decadent Dreams
Zeichentrickfilm USA/ 2009) von Veronica Vinyl
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Der Trickfilm von Veronica Vinyl ist eine “Forced Feminization”-Story über einen schmuddeligen Typen der in seinem Stamm-Café sitzt und vor sich hin träumt. Im Traum wird er von einer dominanten Frau aus dem Café entführt und gewaltsam zur sexy Slut-Sissy (TV-Zofe) transformiert. Als er wieder aufwacht stellt er erstaunt fest, dass am Nachbartisch eine erotische Mistress sitzt und ihn anspricht. Er ist auch gleich bereit, auf Grund seines Traumes, der Aufforderung der Lady zu folgen und real seinen Traum zu erleben.
Die Qualität der Bearbeitung des Trickfilms ist leider sehr amateurhaft, doch die Zeichnungen selbst sind fantastisch. Es würde sich ein wundervoller Trickfilm von Veronica Vinyl ( ich gehe davon “sie” ist männlich) entstehen, wenn man mit strenger Führung und etwas Know-how die richtige Anleitung geben würde.
Regie/Zeichner: Veronica Vinyl
Dauer: 5.37min./ englisch
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Barbie & Ken
Kurzfilm (I/ 2009) von Lazarus Walking/Frank Petter
Der aus Mailand stammende Fotograf Frank Petter hat hier eine künstlerische Umsetzung zum Thema Bondage und den Kultpuppen Barbie&Ken produziert. Eine surrealistische Bildkomposition einzelner, gefesselter Körperteile.
Auch in Italien ist es zur Zeit in der Fetisch- und BDSM-Szene voll trendy alles “japanisch” zu Fesseln was nicht schnell genug auf dem Baum ist.
Die Aussage oder der Sinn dieses Kurzfilm hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Allerdings liegt dies wohl eher an fehlender Konzentration. Der Kinosaal hat sich mittlerweile vollständig geleert. Nur noch der harte Kern mit Julie Simone, Andy (Programmleiter) und uns Schweizern haben bis zu diesem Film durchgehalten. Hier wurde dann die weitere Vorführung des Abends einstimmig beendet und zum gemütlichen Teil im Restaurant gewechselt.
Regie: Frank Petter
Dauer: 3.09min.
Grüsse aus dem TraumKino
Domenique
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6. November 2009 um 13:02
mich erinnert dieser Film an den Film mit Anthony Hopkins.. *was vom Tage übrig blieb..*
wobei es hier weniger um die sexuellen denn mehr um die Aufopferung selbst , die Hingabe des Butlers ohne eigene Bedürfnisse zu haben , geht.. und die Erkenntnis in seinem späten reiferen lebens
aber dieser witzige kleine und mich tierisch freuende Film ist ein wunderbares Häppchen süffisanter AnimeKultur
Hab Dank
Mino Drachenseil