Freitag 30.10.2009 17.45 Uhr

KLEINE SCHRITTE – PICCOLI PASSI
Kurzfilm (I/2007) von Daniele Baricordi

“Un piccolo passo per l’uomo, un grande passo per l’umanità” ist der Leitfaden der den zuschauer durch die persönliche Lebensphilosophie des Regisseurs führt.
Es beginnt in seiner Kindheit mit den ersten kleinen Schritten. Als 1969 der erste Mensch auf dem Mond den ersten Schritt machte, entdeckte er Histoire d’O und seine Leidenschaft BDSM und verpasst dadurch das ganze Spektakel. Weitere leidenschaftliche Fixpunkte in seinem Leben folgen, bis er sich selbst überholt und in die Zukunft schaut. Was wäre wenn er die ersten Schritte eines Amerikaners auf dem Mars erleben könnte? Die Antwort: Er würde sich immer ohne zögern für ein erotisches Erlebnis mit einer schönen Frau entscheiden, als an einem Grossereignis der Weltgeschichte zu zuschauen. Seine grosse Liebe und Leidenschaft gilt den schönen Frauen und seinen besonderen, bizarren Spielen.

Es ist ein surrealistisch-biographischer Film, der durch die persönlich-intime Aussage das Interesse weckt. Das die Qualität etwas dürftig ist hat mich persönlich nicht gestört, da der Film dadurch noch zusätzlich einen intimen Charakter erhält.

Regie: Daniele Baricordi
Musik: Garage Band
Dauer: 16.30min./ italienisch, deutsche Untertitel wurden extra vom Regisseur für dieses Festival eingefügt

Military Drill 1
Kurzfilm (BRD/ 2009) von Baroness Bijou

Baroness Bijou gehörte zu den Ersten, die eine Zusage für eine Teilnahme am Fetisch Film Festival 2009 gab. “Military Drill 1″ gehört zu einer Serie von mehreren Filmen die sie zu diesem Thema drehte. Diese wurden für den Vertrieb via USA über die Website clips4xxx.com (Download: $22) produziert. Ein Werk das ins Genre der kommerziellen BDSM-Filme von professionellen Dominas gehört, die unter amateurhaften Bedingungen und einfachem, simplen Storyboard abgedreht werden.

In den Räumen des bekannten Fetisch- und BDSM-Clubs KittyKat in München wurden die Szenen aufgenommen. In strenger Manier und authentischer Uniform erzieht Baroness Bijou einen reaktionslosen, einsilbigen Soldaten. Die Baroness gibt sich dabei die grösste Mühe mit schriller Stimme dem Soldaten den nötigen Drill zu vermitteln, was diesen allerdings nicht zu grossen Reaktionen veranlasst.

“Military Drill 1″ kann man unter die vielen tausend BDSM-Filme einordnen, die jährlich für ein ausschliesslich männliches Publikum vor den Computerbildschirmen produziert werden. Meine persönliche Begeisterung über diesen Film ist doch eher beschränkt. Da auch Kameraführung, Licht- und Tontechnik sowie Dramaturgie doch wenig überzeugen.

Regie: unbekannt
Dauer: 20.08min./ deutsch


KINK, INC
Kurzfilm/Komödie (USA/ 2009) von Casey Clark

Ein junges Paar, dass in einem kleinen Appartement in New York lebt, zankt sich wegen der Arbeitslosigkeit und Faulheit des Mannes. Er hängt rum und versucht mehr schlecht als recht einen Job zu finden. Bei einem erneuten Streit zeigt er ihr, mehr als spontane Ausrede, ein Inserat in der Tageszeitung “500$ a day at home, couples only, Personal Touch Agency”. Mit Wiederwillen geht die Frau mit zum vereinbarten Termin. Dort begegnen sie einer strengen Business-Frau die sie mustert und gleich wieder als ungeeignetes Paar ablehnt. Aber durch den beeindruckenden, aggressiven Verbalausbruch der Frau, werden sie dann doch aufgenommen. Sie erhalten eine edle Schachtel, darin befindet sich ein Starter-Set für BDSM mit Buch, DVD und Accessoires. Und damit beginnt eine sehr amüsante Geschichte, die zeigt wie zwei völlige Anfänger, sie als Domina und er als Chauffeur (und helfender “Master” im Hintergrund), im Nebenerwerb mit dem Dominieren von Männer Geld verdienen. Natürlich mit den entsprechenden Unsicherheiten, Fehlern und Tolpatschigkeiten.

Ein gut gedrehter Kurzfilm, der sehr unterhaltsam mit dem Thema BDSM und dem Job Domina spielen. Dies hat ihm auch einige Auszeichnungen an diversen Festivals eingebracht. Es wurde mit einer grossen Crew gedreht und für die Zukunft ist eine Spielfilmversion dieser Geschichte geplant.

Regie: Casey Clark
Drehbuch: Dean Strober
Kamera: Chris Scarafile
Soundtrack: Eggmen
Dauer: 27min./ englisch

SERVING MADAME GINA
Dokumentarfilm (USA/2008)
von Dr. Gabriele Hoff

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Dr. Gabriele Hoff hat einige dokumentarische Interviews mit Personen aus der amerikanischen BDSM-Szene aufgezeichnet. Dieses hier zeigt Madame Gina Grant und ihre Sklavin Mercedes, die eine 24/7 -Beziehung im D/s-Kontext leben. Einmal mehr erfährt man hier wieder auf sehr persönliche und intime Art, wie unterschiedlich BDSM-Partnerschaften sein können.

Dieses Paar lebt im gleichen Haus in San Francisco, aber auf unterschiedlichen Etagen. Die Sklavin macht den Haushalt für ihre Herrin und wird von ihr zur perfekten Sklavin erzogen. Die beiden führen eine sehr symbiothische Beziehung und diese wird mit unzähligen BDSM-Ritualen gepflegt. Das Spezielle, wie ich finde, ist hier die esoterisch-psychologische Ausrichtung einer Verbindung zwischen Gebieterin und Sklavin. Da wird viel über Archtypen, die Jägerin, das Opfer, die Göttin, die Königin und so weiter gesprochen. Jede Handlung wird zum Ritual erhoben. Die jährliche Tätowierungen wird als gemeinschaftliche Zeremonie mit Freunden zelebriert und spontan ein Om (Mantra) angestimmt . Beide sprechen immer wieder darüber wie tief ihre Gefühle gehen und wie erhebend, spirituell und befreiend ihre Beziehung auf sie wirkt. Von der Halsband-Zeremonie, für Amerikaner besonders wichtig, wird schwärmerisch berichtet und diese ausführlich erklärt. Dazwischen sieht man aber auch wie gekonnt Madame Gina mit der Flogger umgehen kann oder was für exklusive Toys sie für die schmerzhaften Spiele mit ihrer Sklavin hat.

Es ist ein schöner und technisch gut gemachter Dokumentarfilm der, wie die meisten amerikanischen Dokumentationen aus der Szene, auf Probleme nur sehr am Rande eingeht. Darüber kann man denken wie man will, es ist aber zum Schluss so, dass man immer das Gefühl hat es sei das schönste der Welt einen solchen Lebenstil führen zu können und eigentlich müsse jeder dies auch gleich ausprobieren.

Dieser Film hat einige Auszeichnungen an kleinen Filmfestivals gewonnen, zuletzt am CineKink in New York als “Best Short Documentary 2009″

Regie: Dr. Gabriele Hoff
Dauer: 26min./ englisch, mit deutschen Untertiteln

Slavery, A Love Story: The Beginning
Kurzfilm (USA/ 2009) von Julie Simone (zu Gast im Kino)
Ein weitere Kurzfilm der anwesenden Julie Simone aus den USA. Diesmal ein absoluter Fetischfilm für Latexliebhaber und Zigaretten-Fetischisten. Dieser ist sehr gut gedreht, mit den typischen, unzähligen Wiederholungen die für einen Fetischfilm wichtig sind und unterschiedlichsten Kameraeinstellungen der immer gleichen Szene. Der gezeigte Kurzfilm ist ein szenischer Ausschnitt aus einem sechzig minütigen Film mit dem gleichen Titel. Das ein solcher Film im Kinosaal unterschiedlich aufgenommen wird und ein paar Zuschauer gelangweilt oder kopfschüttelnd den Saal verlassen ist ein wenig nachvollziehbar.

Das es aber Leute gibt, die dies nicht zu Schätzen wissen und dies ständig laut zum Ausdruck bringen müssen oder ständig plaudern,  dies nota bene in Anwesenheit der Regisseurin und gleichzeitigen Akteurin ist einfach nur ärgerlich und respektlos. Da diese beiden Paare direkt hinter mir sassen, habe echt in Erwägung gezogen einmal mit der Peitsche für Ordnung zu sorgen.

Doch zurück zum Film und Julie Simone. Eine Latexsklavin liegt gefesselt auf einem Tisch und die Herrin kommt langsam in den Raum. Mit der schwarzenGasmaske strahlt die Sklavin etwas insektenhaftes aus und ist mit der kleine Atemöffnung der Zigaretten rauchenden Domina völlig ausgeliefert. Ein sinnliches Spiel zwischen Domina, Sklavin und Rauchschwaden beginnt, in dem die Herrin lasziv den Rauch der Sklavin in die Atemöffnung bläst, im Stile einer Zwangsfütterung. Ruhig, meditative Musik erklingt im Hintergrund. Szenenwechsel, die Sklavin muss einen Glasdildo an einem Strapon lutschen und auch hier wird mit Rauchen gespielt. Die langsamen Rauchschleier streichen um den Dildo und werden wieder eingesogen, ein erotisches Spiel mit einem bizarren Fetisch. Ein schöner Fetischfilm, der fbei Anhängern dieser beiden Leidenschaften Latex und Rauchen sicher gut ankommt.

Bemerkenswert beim anschliessenden Gespräch war die völlig unterschiedliche Persönlichkeit von Julie Simone im Kino und auf der Leinwand. Die Projektion zeigt eine sinnliche-lüsterne, selbstsichere Dominatrix und im Saal erlebte ich eine zurückhaltend-schüchtern wirkende junge Frau. Interessant war auch ihre Aussage zum Film, dass eine Domina sich nie verlieben dürfe. Dies sei ein absolutes Tabu. Auf die Frage warum sie dies denke, antwortete sie leise: Dies bedeute doch einen Kontrollverlust und würde die Weiterführung der Beziehung Domina-Sklavin verhindern.

Regie: Julie Simone
Dauer: 15min./ kein Text

Grüsse aus dem Kinosessel
Domenique

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