Extasia 09 oder die Suche nach Erotik

Auch wenn ich meine heutige “to do”-Liste erst zur Hälfte abgearbeitet habe, möchte ich trotzdem noch ein paar Worte zum Ausflug mit meinem “Biest” am letzten Samstag an die Extasia 09 in Basel festhalten.

Die grösste Erotikmesse der Schweiz, wie sie sich selbst bezeichnet, fand bis vor einem Jahr in Zürich statt. Durch das ungelöste Problem eine geeignete Location zu finden, musste sie nach Basel in die St.Jakob-Arena ausweichen. Ein netter Bentonbau mit perfektem Verkehrsanschluss und breiten Gehwegen, wie es sich für ein gutes schweizerisches Eishockey-Stadion gehört. Auch das Publikum unterschied sich nicht wesentlich von einem Spieltag. Es bestand in der Grosszahl aus 18 bis 30 Jährigen männlichen Besuchern die sich brünstig durch die Gänge und vor den Shows drängten. Je grösser die Clique der jungen Männer war, desto höher war jeweils auch der Alkohol- und der verursachte Lärmpegel. Überraschend war aber, dass doch etliche Frauen ihre Männer begleiteten und dabei teilweise sehr hübsch und sexy angezogen waren.

Ich meinerseits, habe mich in strenges Leder mit Korsett, Lederblazer und hohen Stiefeln geworfen. Und im Wissen, dass unzählige Kameras Fotos schiessen würden, von denen man am Ende nie weiss wo diese landen, habe auch noch meine grösste Sonnenbrille aufgesetzt. Mein Subbie wurde in einen sehr schicken, schwarzen Anzug inklusive Krawatte gesteckt. Dazu hatte er die original “Bob Basset”- Fuchsmaske mit Maulkorb, Halsband sowie Handfesseln, Mundknebel und Gummi-Fäustlinge anzuziehen. Wir haben uns vorab lange überlegt, ob es eine gute Idee ist, sich an einer solchen Messe so auffällig zu präsentieren. Wäre es doch um ein vielfaches einfacher und risikoloser im durchschnittlichen Strassen-Look in die Masse einzutauchen und sich so das Gebotene unkompliziert und unauffällig anzusehen. Aber die vielen lustigen, begeisterten und überraschten Reaktionen die wir an anderen Events für unser auffallendes Outfits als “Domina mit Biest” bekamen, liess uns hoffen, dass wir auch an einer reinen “Vanilla-Erotik-Messe” unseren Spass haben würden.

Wenn man sich die Möglichkeiten der Art und Weise wie man Sexualität ausleben kann als Bandbreite vorstellt, so könnte man die Art von kommerzialisierter Erotik (aka Pornografie) wie sie an diesem Jahrmarkt der Sexindustrie vorgeführt wurde ganz am einen Ende dieses Kontinuums platzieren. Dies ist sicher kein Problem, wenn man auf der ganzen Breite von Erotik und Sexualität schon einiges ausprobiert und vielleicht auch schon mal das andere Ende  ausgekostet hat, das man zum Beispiel als tantrische Sexualität umschreiben könnte. Aber wenn ich mir die jungen, Testosteron getriebenen jungen Männer in ihrem Macho-Gehabe anschaue, dann habe ich da so meine Zweifel, ob die, an dieser Messe präsentierten Bilder und Rollenmodelle, die richtige Anleitung zu einer gleichberechtigten, sinnlichen und umfassenden Sexualität zwischen zwei Menschen geben können.

Ein kleiner Lichtblick war das Fetish Village mit Ausstellern, Shops und der BDSM-Community-Plattform aus der Deutsch-Schweizerischen SM-Szene. Die Gruppe hat sich die grösste Mühe gegeben etwas Atmosphäre in diesen Bereich zu bringen und den Besuchern die Welt des BDSM näher zu bringen. Da wurde Aufklärung zum Thema geboten, es wurden diverse kleine Workshops durchgeführt und auf der grossen, bestens ausgestatteten Bühne wurden nonstop Vorführungen gezeigt. Von Bondage über Erziehungssessions bis hin zur SM-Comedy reichten die Darbietungen der Performer, mehrheitlich Amateure. Das Interesse der männlichen Besucher konzentrierte sich allerdings viel mehr auf die unterschiedlichen Sexshows mit den Pornodarstellerinnen auf den Bühnen des “Vanilla”-Bereichs.

Das Fetish Village war für uns der Auslöser überhaupt an diese Messe zu fahren. Ein weiterer Grund war auch, dass eine Freundin von uns mal in die Szene reinschnuppern und sich eventuell ein heisses Outfit für die nächste gemeinsame Fetischparty kaufen wollte. Für sie wird es, durch die eher ernüchternden Eindrücke, wohl bei bei einem einmaligen Besuch einer solchen Messeveranstaltungen bleiben. Aber auch für uns dürfte dies der letzte Besuch einer derartigen Veranstaltung gewesen sein.

Mein eher negatives Fazit zu diese Sex-Messe gründet letztlich auch etwas darauf , dass mein, mit Ledermaske bekleideter und mit den Händen auf den Rücken gefesselter Sklave von diversen überdrehten, jungen Männern angepöbelt, geschupst, an der Maske gezogen und sogar beinahe getreten wurde. Zum Glück hatte ich wohlweislich eine meiner Bullpeitschen in der Handtasche und konnt damit für die nötige Distanz und den gebührenden Respekt sorgen. Aber auch die Nüchternheit der Eishockey-Halle, in der es wohl gar nicht möglich ist eine etwas gehobenere Stimmung zu erzeugen, hat zur abschreckenden vulgären Sex-Jahrmarktsstimmung beigetragen.

Dieser Besuch passt gut zu den Gedanken im Artikel über “BDSM-Aufklärung und SM-Mainstream” und hat mir deutlich aufgezeigt,wie viel schöner es ist in kleinem, geschütztem Rahmen in diese Welt einzutauchen, die durchaus verrucht, geheimnisvoll und “dirty” sein kann. Aber auch, dass die Aufklärung in der Gesellschaft zum Thema BDSM unbedingt notwendig ist. Dies vor allem um offensichtlich nach wie vor vorhandene Vorurteile und Verunsicherung abzubauen.

Ich war jetzt das zweite Mal an der Extasia und werde dieser Sex-Messe sicher keinen weiteren Besuche abstatten. Zwischen meinem ersten Besuch im Jahre 2004 und dem am vergangenen Samstag, hat die Extasia für mein Empfinden sehr an Charme verloren, wenn man bei einer Sex-Messe davon überhaupt sprechen kann.

Grüsse aus dem Blog-Office
Domenique

» Überblick im Blog-Lager

2 Antworten zu “Extasia 09 oder die Suche nach Erotik”

  1. eclipse schreibt:

    Das klingt ja wirklich schauderhaft – alkoholisierte Macho-Macker sind so ziemlich genau jene Gruppe von Mitmenschen, der ich wo immer ich kann aus dem Weg gehe. Aus genau diesem Grund besuche ich keine Stino-Discos und meide “normale” Erotikmessen wie der Teufel das Weihwasser.

    Was die im Bericht angesprochene Notwendigkeit zur Aufklärung über BDSM betrifft, nun, da würde ich genau das Gegenteil aus den Erfahrungen von der Sexmesse ableiten: es ist vielleicht besser, sich in elitärer Weise abzugrenzen, als unter unsympathischen Idioten für Verständnis zu werben.

  2. chinansky schreibt:

    Elitär wäre es,den Unwissenden in Sachen BDSM im unklaren zu lassen.
    Bei meinen Besuchen von Erotic Messen im Rhein Main Gebiet Germany,
    sind mir noch keine alkoholisierten, männlichen Machos aufgefallen-gäbe es Sie,würde der Sicherheitsdienst diese aus der Ausstellunghalle entfernen.Die Showgirls, sind im Gegensatz zu einigen übergewichtigen,
    maßlos tättoowierten und gepiercten Profi Dommsen aus meinem “Lieblingsstudio” in Bad Offenbach Hessen,eine Augenweide.

    gruß chinansky

Eine Antwort hinterlassen