Die Bienenkönigin von Gloria Vanderbilt
Mein SM-Radar hatte mir kürzlich in der Buchhandlung ein Buch von Gloria Vanderbilt in die Hand gespielt. Einerseits klang der Titel “Die Bienenkönigin” schon mal irgendwie nach Dominanz und Hingabe. Aber auch das Aufblitzen der Bezeichnung *Janus Club hatten mich beim kurzen Durchblättern vermuten lassen, dass es sich hier vielleicht um eine spannende Lektüre mit BDSM-Ansätzen handeln könnte.
Das Buch kam 2009 unter dem Titel “Obsession” in Englisch auf den Markt und ist nun in deutscher Übersetzung im Kiepenheuer-Verlag erschienen. In New York hat es für einiges Aufsehen gesorgt. Die Autorin Gloria Vanderbilt (geb. 1924) gehört einerseits einer der grossen amerikanischen Dynastien an und anderseits ist sie eine sehr umtriebige Person, die als Schauspielerin, Malerin, Designerin und Schriftstellerin immer im Gespräch blieb. Sie hatte diverse amouröse Affären mit den ganz grossen der amerikanischen Schauspielergarde. So schreibt noch immer regelmässig für diverse amerikanische Zeitungen und Zeitschriften.
Der Roman handelt von Priscilla Talbot-Bingham, die Frau eines sehr erfolgreichen und berühmten amerikanischen Architekten. Nach seinem überraschenden Tod erfährt sie von dem Doppelleben ihres Mannes als hochangesehnes Mitglied des Janus Club. Einem exkluisven Club für erotisch-sexuelle Lustspiele mit Hang zu BDSM-Ritualen. Anhand zahlreicher Briefe die sie beim Aufräumen seines Büros entdeckt, erfährt sie von der Mätresse Bee und deren Leben als seine Sklavin.
Der römische Gott Janus ist neben der Bienenkönigin das grosse Symbol dieser Geschichte. Alles weisst auf die Doppelgesichtigkeit hin. Die beiden Protagonistinnen, die eine einzig von Lust bestimmt, die andere ohne jeglichen Hinwendung zu sexuellen Vergnügungen. Oder der elitäre Club unter dem Zeichen des Janus stehend, verbirgt seine Lüsternheit hinter einer Fassade von Ehrbarkeit. Dahinter finden opulente, erotisch-sexuelle Rituale statt, die an die Szenen aus dem Film Eyes Wide Shut erinnern. Der verblichene Star-Architekt der seinem Leben mit viel Aufwand zwei Gesichter gegeben hat. Dasjenige des erfolgreichen, angesehenen Genies und daneben der von ausschweifender Lust geleitete Mäzen einer geheimen, exklusiven SM-Society.
Der Schreibstil von Gloria Vanderbilt ist ausschweifend und nicht ohne entsprechende Kenntnis der Materie. Beim Lesen spürt man die grosse Erfahrung der Grande Dame und die Kenntnis über einen sehr exklusiven Lebensstil. Dies ist aber auch schon das was mich persönlich schnell gelangweilt hat. Denn es wird hier mit soviel Opulenz aufgetischt, mit soviel Luxus um sich geworfen, das es schon schwindelerregend wirkt. Dass führt dazu, dass ich schon nach wenigen Seiten hoffte, es werde doch bald weniger um das Wo und Worin geschrieben. Ein etwas schwülstiger Roman, der die Leserin und den Leser in eine sinnliche Welt der Lust und Hingabe eintauchen lässt und ansatzweise Einblick in “sehr” ausschweifende SM-Rituale bietet.
Grüsse aus der Bibliothek
Domenique
* Die Janus Society ist die zweitälteste, bekannte SM-Vereinigung in den USA und wurde 1974 von Cynthia Slater und Larry Olsen in San Francisco gegründet. Sie ist eine Non-Profit-Vereinigung, die sich für sicheren, vernünftigen und einvernehmlichen (safe, cane and consensual) BDSM einsetzt.
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