Laissez-faire in einer BDSM-Beziehung
Als ich neben meinem Privatleben als dominante Frau noch professionell als Domina arbeitete, konnte ich ich meine fetischistischen und sadomasochistischem Leidenschaften immer genügend ausleben und es gab nie längere Unterbrüche. Nahezu täglich konnte ich mich entsprechend einkleiden und hatte meine Männer “zur Hand”. Allerdings muss ich der Ehrlichkeit halber auch erwähnen, dass mir das ganze Bizarr-Thema hin und wieder auch mal zu viel wurde.
Seit mehreren Wochen schon hat sich nun ein Umstand in die Beziehung mit meinem Subbie eingeschlichen der uns von unserer Leidenschaft, die uns ja eigentlich zusammengeführt hat, entfernt. Wir haben in letzter Zeit einige Vanilla-Anlässe, Kultur-Events und sonstige “unkinky” Freizeitaktivitäten genossen. Ganz so, wie es eben in einer ganz “normalen” Beziehung üblich ist, in der die unterschiedlichsten Aktivitäten und Freundeskreise zusammenfinden. Daneben gab es (gibt es eigentlich immer) auch rund ums Haus einiges zu tun. Also so, wie es alle in etwa aus eigener Erfahrung kennen. Immer ist etwas los und immer muss der Terminkalender schön synchronisiert werden. Daneben kommen noch all jene Verpflichtungen die ohnehin mit unangenehmer Regelmässigkeit anstehen, wie Zahlungen, Bankgeschäfte, Steuererklärung und so weiter. Und zu guter Letzt jener Teil, der oft am meisten Ressourcen benötigt, eine überdurchschnittliche berufliche Belastung die manchmal bis in die Abende und Wochenenden hinein reicht.
Es gab aber noch andere Anzeichen, die eine schleichende Entwicklung weg von unserer gemeinsamen Leidenschaft erkennen liessen. So kam es immer häufiger vor, das wir beide rund um die Uhr bequeme, zweckmässige Alltagskleidung bevorzugten. Unsere/meine sexy, erotischen Fetischkleider und auch Subbies Halsband blieben im Schrank verstaut. Ja sogar die Grundregeln für Subbie wurden nicht mehr eingehalten. Was soll’s, sie wurden ja von mir auch nicht mehr geahndet. Neue, mit Lust und Freude bestellte Toys die per Post eintrafen, wurden ausgepackt und beiseite gelegt. Unser wunderschöner Dungeon verstaubte so langsam und versank noch tiefer unter dem Haus als er ohnehin schon ist.
Vermehrt fiel die Wahl für das Abendprogramm, wenn nicht noch berufliche Arbeiten anstanden, auf das Home Cinema mit einem oder zwei Spielfilmen, inklusive Popcorn. Am vergangenen Wochende war dann für mich ein Wendepunkt erreicht. Unsere Surround-Anlage stieg aus und wir besorgten eine neue, fantastische Lautsprecher-Anlage. Zusammen mit dem restlichen exquisiten Equipment in den anderen Räumen herrscht nun eine umwerfende Sound-Atmosphäre die, für eine audiophile Person wie mich, absolut zum Abheben ist. Nun Abheben im wahrsten Sinne des Wortes, wir sind nun regelmässig auf dem Sofa eingedöst.
So geht es nicht mehr weiter! Und da mein Sklave weder die Macht noch die Zuständigkeit hat Änderungen in diesem Bereich einzuleiten, liegt es natürlich an mir hier für lustvolle Zucht und Ordnung zu sorgen. Wie oft habe ich ähnliche Geschichten von Paaren zu hören bekommen oder im Web gelesen. Ja, auch wir selbst hatten ja schon kurze Phasen des bequemen Weggleitens bei uns festgestellt, diese aber immer gleich wieder abgewendet.
Berufliche Belastung und paralell dazu “laissez-faire” sind gute Faktoren für das Einschläfern einer BDSM-Beziehung, im übrigen auch für jede andere sexuelle-verbindenende Leidenschaft. Da aber beim BDSM-Spiel oft etwas mehr benötigt wird als beim sich “splitterfasernackt der ungebändigten Lust hingeben”, braucht es etwas mehr Energie dem verführerischen Hang zur Bequemlichkeit zu wiederstehen und lustvoll-dominant loszulegen.
In meinem Fall beginnt das mit der passenden Kleidung, also einem streng-sexy Outfit, Highheels/Stiefel, Make-up, Frisur und Schmuck. Ein paar Gedanken der Planung über das was ich mit meinem Sklaven machen möchte und ein paar Vorbereitungen bei den Toys gehören natürlich auch dazu.
Im Anschluss an eine heisse Session lässt sich dann auch wieder um einiges besser an “Female Led Relashionship” denken und diese auch im Alltag wieder aufblühen zu lassen. Etwas, was wir uns beide ja vorbehaltlos sehr wünschen, was aber durch die oben erwähnten Faktoren allzu leicht beiseite geschoben werden kann.
BDSM und FLR sind nicht bequem, aber sie können die geilste Sache der Welt sein, wenn es zwei tun, die in ihrer Leidenschaft auf gleicher Wellenlänge schwingen.
“Haltung lässt sich leichter bewahren als wiedergewinnen” Thomas Pain
Streng-dominante Grüsse
Domenique



















4. März 2010 um 16:14
Auch wenn man es sich denken kann tut es doch unglaublich gut zu ‘sehen’ daß sich dieses Dom-Müdigkeit bei jedem mal einschleichen kann. Ich bemühe mich auch gerade mehr schlecht als recht neben organisatorischem Stress noch ein paar Gehirnwindungen für Sessionplanung und Alltagsaufmerksamkeit bzgl. Regeln frei zu halten.
Schon dieser Kurzeintrag in einem englischen Blog hat mich in dieser Hinsicht sehr berührt.
http://domme-chronicles.blogspot.com/2010/03/worst-thing.html
Naja, ich denke die Frühlingssonne wird auch unsere Energien wieder aufwecken, damit unseren Subbies wieder dieser kleine Schauer über den Rücken fahren darf, wenn ihnen ein Fehler unterlaufen ist.
Sonnige Grüße,
Milady Chí
5. März 2010 um 11:20
Eine solche Entwicklung ist mir auch bekannt. Und tatsächlich tut man(n) sich als Subbie ziemlich schwer, hier eine Wende einzuleiten. Dennoch ging es mir selbst bislang immer so, dass ich eine gewisse Verantwortlichkeit für das Wiederbeleben der SM-Sexualität gespürt habe, wenngleich ich nicht immer fähig war, diese dann auch einzuleiten.
Von daher finde ich diesen Satz hier bemerkenswert: “Und da mein Sklave weder die Macht noch die Zuständigkeit hat Änderungen in diesem Bereich einzuleiten, liegt es natürlich an mir hier für lustvolle Zucht und Ordnung zu sorgen.” – Für die Person in der Sub-Rolle dürfte es sicher schwerer sein etwas zu ändern, aber belastet nicht das grundsätzliche Absprechen der Zuständigkeit für das Beenden der Laissez-faire-Zeit die Herrin über Gebühr? Ist nicht der Sub zu bequem, wenn er die Verantwortung für die (gemeinsame) Sexualität vollkommen an die Herrin abschieben kann?
5. März 2010 um 14:04
Der Alltag hat einen jeden schnell eingeholt! Sich aber trotz der ganzen wiedrigkeiten wieder auf Dinge zu besinnen die zwar nicht nur “erholsam” aber durchaus befriedigend sind fällt da nicht immer leicht. Natürlich scheint es im ersten moment der leichtere Weg zu sein einen Abend nur vor dem Heimkino zu verbringen als sich in Schale zu schmeißen und mit dem Partner ausseinander zu setzen. Langfristig gesehen ist allerdings diese Interaktion zwischen zwei Menschen viel spannender und nachhaltiger als der 1001. Film mit John Travolta…
Es gilt hier wie in vielen anderen Bereichen auch ein wenig den inneren Schweinehund zu bekämpfen der uns mit purer Bequemlichkeit verführen möchte. Egal ob es um Sport, FLR oder einfach nur mal ne Unternehmung geht… Der Appetit kommt halt oft erst beim Essen! Man sollte halt nur nicht aus den Augen verlieren was einem wirklich gut tut.
Gruß Sebastian
5. März 2010 um 15:25
Es freut mich sehr auf diesen Artikel interessante Kommentare erhalten zu haben. Besten Dank an alle!
eclipse schrieb: “Für die Person in der Sub-Rolle dürfte es sicher schwerer sein etwas zu ändern, aber belastet nicht das grundsätzliche Absprechen der Zuständigkeit für das Beenden der Laissez-faire-Zeit die Herrin über Gebühr? Ist nicht der Sub zu bequem, wenn er die Verantwortung für die (gemeinsame) Sexualität vollkommen an die Herrin abschieben kann?”
Ich gehe davon aus das jeder Sklave seine ganz eigenen, seiner Rolle zustehenden Möglichkeiten hat seine Befindlichkeit seiner Besitzerin zum Ausdruck zu bringen. Sei es seine Regeln ausserordentlich penibel einzuhalten oder sich entsprechend zu kleiden. Aber auch mit submissiven Verführungkünsten kann er seine Herrin vielleicht zu einem Schäfer-oder passender Erziehungsstündchen zu animieren.
Zu der Frage nach dem abschieben der Verantwortung eine Gegenfrage. Was ist wenn die Herrin Lust nach etwas sadomasochistischer Lustfindung hat und ihr Sklave sich gerade nicht im Subspace befindet? Dann ist das ja auch nicht gerade bequem für Subbie. Deshalb mein Satz: BDSM und FLR sind nicht bequem.
Was machst Du um Deiner Herrin Deine Bereitschaft zu signalisieren? Was geht ab, wenn Dein Eigentum gerade nicht in Stimmung ist und Du aber Dein Recht einforderst?
Ich wünsche allen “guten Appetit” und eine heisses Weekend!
Grüsse
Domenique
6. März 2010 um 18:33
Liebe Lady Domenique
Im Alltag ist tatsächlich das Laissez-faire eines der grössten Probleme. Ich sehe meine Herrin nicht täglich, d.h. ich bin (noch) nicht in einer 24/7 Beziehung. Mit meiner Herrin habe ich sehr tiefgehende Gespräche, dabei besprechen wir auch immer wieder, wie gross die Herausforderung ist, eine BDSM – Beziehung im Alltag für beide erfolgreich zu leben. Hilfreich ist sicher geistiger Tiefgang und Reife. Für subbie sollte auch stets gelten, das Gute im Mitmenschen, sprich HERRIN zu sehen.
Ich bin für Ihren Blog sehr dankbar, Sie geben mir viele Informationen, die mir Helfen meine Gedanken und Entscheidungen in Sachen BDSM und 24/7 nicht traumtänzerisch anzugehen.
In diesem Sinne grüsse ich Sie herzlich
lenny
8. März 2010 um 14:47
“Was ist wenn die Herrin Lust nach etwas sadomasochistischer Lustfindung hat und ihr Sklave sich gerade nicht im Subspace befindet? Dann ist das ja auch nicht gerade bequem für Subbie.”
Natürlich kann auch diese Situation vorkommen. Im Regelfall scheint es mir aber doch etwas leichter zu sein, sich in die Sub-Rolle “fallenzulassen”, als auf Kommando dominant sein zu “müssen”.
Das Signalisieren der Bereitschaft der Subbies ist in der Tat recht leicht mit entsprechender Kleidung zu bewerkstelligen. Ob daraus dann etwas wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt.
17. Mai 2010 um 14:39
Ich finde es schön wenn man sich losgelassen von allen Zwängen auch mal fallen und treiben lassen kann. Nur weil man für gewöhnlich eine starke und dominante Rolle einnimmt heißt das nicht das man sich nicht auch mal gehen lassen kann. Es gibt fast nichts schlimmeres als sich selbst unter Druck zu setzen.
Liebe Grüße
Tim