SM-Stammtisch mit dominanten Männern

Vorgestern war wieder einmal einer meiner wirklich seltenen SM-Stammtischbesuche angesagt. Ein BDSM-Stammtisch unterscheidet sich rein äusserlich nicht wesentlich von anderen “normalen” Stammtischtreffen. Beim Torthur-Stammtisch entspricht sogar das Lokal einer gemütlichen, typisch schweizerischen “Beiz” mit den klassischen Speisen auf der Menukarte und einem herzlichen Wirt der diese Gruppe ohne Vorbehalte gerne bewirtet.

Nur ganz vereinzelt konnte man von Aussen betrachtet etwas Ungewöhnliches ausmachen. Die Kleidung entsprach bei der grossen Mehrheit der durchschnittliche Alltagsbekleidung wie man sie auch sonst auf der Strasse antrifft. Naja, vielleicht war sie etwas schwärzer als beim Durchschnitt üblich. Die BDSM-Zugehörigkeit zeigte sich nur einem Betrachter der über entsprechende Szenekenntnisse verfügt an kleinen Details, wie z.B. am Ring der O. (linke oder rechte Hand), speziellen Kettenanhängern oder an diesem Abend an einem Halsband mit Ring bei einer einzigen Sklavin. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass allzu auffällige Fetischkleidung an den meisten Stammtischen eher unüblich ja oft sogar verpönt ist.

Ein weiterer Grund für die eher etwas alltägliche Aufmachung der Besucherinnen und Besucher war wohl, dass die grosse Mehrheit der Männer sich in der Rolle des Meister/Dominus/Master sahen und die haben bekanntlich meist einen etwas anderen Kleiderkodex als Herrinnen und Dominas. In diesem Zusammenhang sollte ich wohl noch erwähnen, dass es sich bei etwa einem Drittel der etwas über 20 Anwesenden wahrscheinlich um eher devot-masochistische Frauen und zu zwei Dritteln um tendenziell dominante Männer handelte. Wie gross der Anteil von Switcherinnen und Switcher war liess sich ohne Umfrage nicht ausmachen und bleibt deshalb dahin gestellt.

So sass ich dann schliesslich etwas eingezwängt zwischen freundlichen, dominanten Männern und genoss den Einblick in deren männliche SM-Welt, die mir aufgrund mangelnden Interesses bisher eher unbekannt geblieben war. Damit zusammen hängt wohl auch, dass sich unter meinen BDSM-Freunden nur sehr wenige Meister befinden. Doch dazu gleich noch mehr.

Zu meiner Rechten sass “MyMaster” (natürlich nicht etwa “mein” Master) aus Deutschland und schräg gegenüber “Meister R.” ein bekannter und lange sehr umstrittener Exponent der Szene sowie ein symphatischer Switcher der sein SZ-Profil unbedingt aufdatieren (!) sollte. Der Herr zu meiner Linken sprach den ganzen Abend so gut wie nicht mit mir, sondern zeigte mir die kalte Dom-Schulter und stiess mir dauernd die Stuhllehne in die Seite. Was will mir dies sagen? Ich weiss es nicht, wahrscheinlich einfach nur, dass die Bestuhlung zu eng war :-)

Ich hatte interessante Einblicke in die Schwulen-SM-Szene in der Schweiz und auch in die holländische und schweizerische Lesben-SM-Szene sowie natürlich auch in der Femdom-Szene rund um dem Globus und habe manch spannende Erfahrung gesammelt. Mit männlichen Hetero-Doms hatte ich bisher allerdings immer eher merkwürdige Zusammentreffen und die endeten nicht wenige Male mit dem Klischee-Spruch: Eine Domina kann nur dann wirklich gut sein, wenn sie auch mal Sub war. Meist kam dann jeweils auch gleich das Angebot des jeweiligen Masters, unter seiner Führung in meine devot-masochistische Gefühlswelten einzutauchen. Na ja, sicher ein interessantes Angebot, aber einfach echt an die falsche Frau. Aber auch diese, meine Aussage, wurde üblicherweise gleich als Angst vor Kontrollverlust oder Verdrängung meiner wahren, submissiven oder masochistischen Natur in Frage gestellt. Ich könnte hier noch verschiedene weitere Beispiele zur Inakzeptanz aufzählen, auf die die Leidenschaft der Frauen an der sexuellen Dominanz bei einigen dominanten Herren noch immer trifft.

An diesem Abend trat zum Glück keines dieser Exemplare der Gattung des “Superdominus” in Erscheinung. Stattdessen setzte sich die Runde mehrheitlich aus freundlichen und unterhaltsamen Männern zusammen. Von den Frauen kann ich leider kaum etwas berichten, ausser das ich von schräg gegenüber immer mal wieder sehr freundlich von einer Stammtischbesucherin angelächelt wurde. Ob submissiv oder einfach symphatisch war nicht zu klären, denn ich war vollständig eingekreist von Mastern, die sehr angeregt aus ihrem Erfahrungsschatz erzählten.

Dabei ist mir ein Thema ganz speziell aufgefallen – die Fotografie. Ich bin mir noch nicht sicher ob das Festhalten einer geilen SM-Sessions auf Fotos und deren umgehende Publikation in einer Online Community wirklich eine reine Männerdomäne ist. Bei den Dominas/Herrinnen ist mir dieses Verhalten aber nie wirklich aufgefallen. Und wenn dies einmal der Fall war, dann war es eigentlich immer der Sklave der sich Fotos seiner Unterwerfung, Demütigung und seinen Leiden gewünscht hat. Ich habe mir lange überlegt worin dieser Unterschied wohl gründen mag und beschlossen das Thema in einem späteren Artikel noch einmal aufzugreifen.

Doch zurück zum Stammtisch. Die angeregten Gespräche unter den um mich herum sitzenden Doms hat eine weitere Besonderheit zu Tage gebracht. Es scheint sehr üblich zu sein, dass Master in der Sklavenzentrale (die grosse, deutschsprachige BDSM-Community) die aktuellen Gespielinnen fein säuberlich in möglichst umfangreichen Listen aufführen. Dies ist ein Verhalten, das ich so bei dominanten Frauen kaum je angetroffen habe. Das Listen einer Sub, so wurde mir erklärt, sei auch zum Schutz der devot-masochistischen Frauen. So könnten zum einen Belästigungen vermieden werden und zum andern signalisiere dies ein vorhandenes “Covern”, also bei Blinddates die Existenz eines “Schutzmanns” im Hintergrund. Es mag durchaus so sein, dass auch submissive Frauen dies so sehen. Dennoch war es für mich sehr erstaunlich welch archaisch partriarchalische Mechanismen und Rollenbilder hier ganz ungehemmt hervorbrechen, ganz so als habe die Emanzipation der Frauen nie auch nur ansatzweise existiert.

So bin ich nach drei Stunden in dieser für mich sehr ungewohnten Runde durch die wolkenverhangene und Schnee verheissende Nacht wieder an meinen Schreibtisch zurückgekehrt. Ich reibe mir die, von der Stuhllehne malträtierte Seite und sinniere über die neu gewonnenen Erkenntnisse und Einsichten nach. Draussen rieselt leise der Schnee und ich hänge, tief in Gedanken versunken, dem für mich wohl unergründlichen Rätsel der Psyche des dominanten Mannes nach und kraule dabei meinem neben mir knienden Subbie die Haare …

Unbeschadet zurück aus der Höhle der Löwen grüsst
Domenique

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3 Antworten zu “SM-Stammtisch mit dominanten Männern”

  1. Lenny schreibt:

    Liebe Lady Domenique

    Als ich die Zeilen las, war ich froh dass ich ein sub bin und meine dominant und sadistisch verlanlage Herrin auch sehr einfühlsam und sehr herzlich ist.

    Es tut mir Leid, dass Sie neben einem so ungehobelten “mann” sitzen mussten, ich denke unabhängig ob Dom oder sub, es gibt doch einen gewissen Anstand und Höflichkeit. Ihr subbie hat Ihnen sicherlich die malträtierte Seite einfühlsam und sanft massiert!

    Das mit dem Klischee habe ich vor vielen Jahren schon mal im Sadanas gelesen und konnte mir schon damals das nicht so recht vorstellen.

    Herzliche Grüsse lenny

  2. eclipse schreibt:

    Oh, es gibt durchaus dominante Damen, die auf Fototrophäen-Jagd sind. Meiner Meinung nach ist die SZ voll mit derartigen Profilen. Auch die Akkumulation einer möglichst großen Zahl eingetragener “Subs” (ob diese nun real bespielt werden ist dabei sekundär) scheint durchaus für das Ego so mancher dominanten Dame bedeutsam zu sein…

    Dennoch soll dieser Eindruck keine Relativierung der beschriebenen archaischen Art vieler dominanter Männer sein, die mir selbst (wie auch die “natur-devote” Art vieler Sub-Frauen, die ebenso gut als verhuschte Persönlichkeit beschrieben werden könnte) auch eher missfällt.

  3. Kinga schreibt:

    Auch wenn dies wohl eher ein kleiner Einblick in die dominante Männerwelt ist und wahrscheinlich es auch da ganz andere Exemplare gibt, ist auch bei mir im Lauf der Zeit der Eindruck entstanden, dass viele Meister, Master, Doms ein bissl zur Kategorie Trophäensammler gehören. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen. Auch habe ich den Eindruck dass Dominas, Ladys wie auch immer das Thema SM mit mehr Sinnlichkeit und Gespür für Ästhetik angehen sowie die Atmosphäre anders geniessen können. Ein Glas Champagner, Kerzenlicht…ein Mann der im wahrsten Sinne des Wortes einer Frau zu Füssen liegt, langsames Anbahnen einer lustvoll bizarren Situation…all dies ist wohl für eine Frau gleich wichtig wie der reine Verlauf einer Session. Wie oft habe ich darüber schon Diskussionen geführt ob mit Partyveranstaltern oder anderen SM bezogenen Männern und bekam meistens die gleiche Antwort, man ist nicht zum Trinken und Essen hier sondern zum spielen. Ok, ok alles andere ist ja auch kein richtiges SM :-(
    Aber wie schon erwähnt, es sind nur meine Eindrücke und Ausnahmen habe ich Gott sei dank auch kennen lernen dürfen.

    Gruss Kinga (die sich über diese Welt eigentlich kaum noch Gedanken macht, da es nicht ihre Welt ist)

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